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Berufung




Mein Berufsleben im Rückspiegel

Herbst 1972, Diplom in Psychologie/Berufsberatung am IAP, Zürich




Es beginnt im Solothurner Jura und Laufental, das damals zum Kanton Bern gehörte. Ich bekleidete beim kantonalen Amt für Berufsbildung und Berufsberatung eine Stelle in Personalunion für die beiden Kantone. Die Menschen dort leben in den umliegenden Hügeln verstreut und sind eher wortkarg. Das nur spärliche ÖV-Angebot zwingt mich, meine fast ausschliesslich jugendlichen Ratsuchenden, will ich sie gemeinsam mit ihren Eltern begleiten, Beratungen bei ihnen zu Hause durchzuführen. Die Folgen davon:

Neben einer reduzierten Beratungstätigkeit erhalte ich dort neue Aufgaben wie:

In diese Zeit fällt meine Erkenntnis, dass Kinder bereits im Primarschulalter interessiert und in der Lage sind, sich mit der Berufswelt aktiv auseinanderzusetzen. Probe aufs Exempel organisierte ich für die Kinder in meiner Nachbarschaft eine Besichtigung der Papierfabrik Biberist. Dort entsteht ja ein Material, mit dem sie täglich in Berührung kommen. Die Veranstaltung begann im Labor des Unternehmens, wo jedes Kind sein eigenes Papier schöpfte, presste und dann zum Trocknen aufhängte. Das Interesse an der Arbeit der grossen Papiermaschine war umso grösser… Die spätere Lektüre von Neil Postmans Werk „Das Verschwinden der Kindheit“ bestärkte mich in meinem Tun. Es bildete zudem auch den Anstoss zum später entwickelten Projekt „Hinführung der Kinder und Jugendlichen in die Berufswelt“ welches ihnen erste Erfahrungen im beruflichen Tun schon ab der ersten Primarklasse geboten hat.
Das Projekt erzielte Achtungsefolge, fand aber den Weg in die praktische Anwendung nicht.

Gemeinsam mit meinem leider schon verstorbenen Kollegen aus dem Kanton Solothurn, Walter Beck, verlasse ich meine Stelle in Solothurn. Zusammen bauen wir die letzte im Kanton Bern eröffnete Berufsberatungsstelle in Bolligen auf. Die Dritte im Bunde war Maja Bauer, die neben den anfallenden administrativen Arbeiten den Grundstein für ein hervorragendes, in die Stelle integriertes Dokumentationsangebot legte.

Von Anfang an kamen die Klient/innen durch Mund zu Mund Propaganda und Zuweisungen, hauptsächlich durch die öffentliche Berufsberatung und
PsychotherapeutInnen. Nach und nach stellte sich die Zusammenarbeit ein mit:

1989 erweckte ein Interview in der Fachzeitschrift des SVB die Neugier der Deutschen Berufsberatung. In der Zeit des Mauerfalls und des darauf folgenden Zusammenschlusses der Berufsberatungen von West – und Ostdeutschland darf ich in Bonn mein biografisches Beratungsmodell „Entscheidungsbegleitung in Berufs und Ausbildungsfragen auf dem Hintergrund der Lebensgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der momentanen Lebenssituation“ vorstellen.
Lobende Worte fand das Modell auch von B. Lievegoed, dem holländischen Begründer der anthroposophischen Biografie-Arbeit, anlässlich eines internationalen Treffens im Goetheanum in Dornach.
In diese Zeit fällt auch die Entstehung des ffbb, des Fachvereins freischaffender Berufsberater/innen, zu dessen Gründungsmitgliedern ich gehöre.
1993 sollte die Praxis, 14-jährig, modernisiert werden. Die finanziellen Mittel fehlen. Und mein Wesen schreit mit 47 nach mehr Handeln und mehr Körpereinsatz. Mit einer langen Warteliste unterbreche ich meine Beratungstätigkeit für unbestimmte Zeit und schliesse die Praxis in der Berner Matte.

Wiederaufnahme der Beratungstätigkeit in Bern mit wechselnden Standorten.

2010 und 2011, kurz vor meiner Pensionierung, darf ich mein jetzt modulares Beratungsangebot an der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) je einmal vorstellen.
Heute lebe ich zurückgezogen auf dem Land. Die Natur ist nach wie vor meine Kraftquelle. Schreiben, Zeichnen und Lesen bereichern mein Dasein.

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